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Sachsen-Anhalt liegt ihnen am Herzen: Hallesche Wissenschaftler warnen vor politischer Einflussaufnahme


mz.de (Mitteldeutsche Zeitung)
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Datum: 05.04.2026

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Sachsen-Anhalt liegt ihnen am Herzen: Hallesche Wissenschaftler warnen vor politischer Einflussaufnahme

Rund 30 Wissenschaftler haben einen Verein gegründet, um Forschung besser zu erklären und politische Einflussnahme abzuwehren. Sie warnen davor, dass der Populismus die drängenden Probleme nicht löst.

Halle (Saale)/MZ. - Die Aufgabe einer Universität ist die Weitergabe von Wissen in die Gesellschaft. Diesem Grundsatz fühlen sich die beiden renommierten Wissenschaftler Reinhold Sackmann und Winfried Kluth verpflichtet - seit 2004 ist Sackmann Inhaber des Lehrstuhls für Soziologie an der Uni Halle und Kluth seit 1999 Inhaber des dortigen Lehrstuhls für Öffentliches Recht. Was beide umtreibt, ist die Sorge um die Freiheit der Wissenschaft. Reinhold Sackmann sagt: „Man sollte nicht zu lange warten, sich zu wappnen.“

Deshalb engagieren sich die beiden Professoren im Verein „Wissenschaft für uns in Sachsen-Anhalt“, den es seit vergangenem Jahr gibt. Ihm gehören aktuell gut 30 Mitglieder an, überwiegend Professoren aus ganz verschiedenen Wissenschaftsbereichen, er sei aber „offen für alle“, wie beide sagen.

Wissenschafts-Verein will Menschen außerhalb des Wissenschaftsbetriebs erreichen

Der Verein will dazu beitragen, Leistungen der Wissenschaft zu vermitteln, die Wissenschaftsfreiheit zu verteidigen und einen weltoffenen Austausch von Wissen und Wissenschaftlern zu ermöglichen.

Winfried Kluth sagt: „Für uns ist wichtig, Personen außerhalb des Wissenschaftsbetriebs zu erreichen.“ So möchte der Verein auch die Wahlbeteiligung stärken und zur Wahl von Parteien aufrufen, „die unsere Verfassung sichern und verteidigen“.

Bierdeckel-Aktion bringt 380 neue Bürger für Halle

Erste Aktionen gab es schon. Reinhold Sackmann erzählt von Bierdeckeln, die unter neuen Studenten verteilt wurden. Darauf war ein QR-Code, um sich mit Erstwohnsitz in Halle anzumelden. „Das ist gut für die Stadt und gut für die Uni“, sagt Sackmann.

Weil ihm als Soziologen Daten wichtig sind, habe er später beim Einwohnermeldeamt nachgefragt und die Antwort erhalten, dass 380 Personen sich daraufhin angemeldet haben. Über diesen „kleinen Beitrag“ freut sich Sackmann.

Mit der Aktion „Rent a Prof“ bietet der Verein zudem Schulen an, einen Wissenschaftler kennenzulernen. Es soll auch anhand konkreter Beispiele vermittelt werden, wozu Wissenschaft imstande ist - im Falle von Reinhold Sackmann selbst: ihn vom Prostatakrebs zu heilen. Dank heutiger Behandlungsmöglichkeiten „ist Krebs nicht mehr so tödlich wie früher“, sagt Sackmann.

Einschränkungen verhindern wissenschaftlichen Fortschritt

Wenn aber, wie aktuell in den USA zu beobachten oder in der jüngeren Vergangenheit in Polen, eine staatliche Beeinflussung der Wissenschaft stattfinde, wenn außerdem ausländische Fachkräfte nicht mehr in Sachsen-Anhalt arbeiten wollen und der Anteil ausländischer Studenten an den Unis im Land zurückgeht, dann ist das aus Sicht der beiden Professoren ein Problem. Weil es Fortschritt verhindere.

Reinhold Sackmann sagt: „Es gibt keine deutsche Wissenschaft. Es gibt nur Wissenschaft.“ Und ein „Lehrstuhl für kritische Klimaforschung“, wie ihn in AfD im Rahmen ihres Regierungsprogramms für die Landtagswahl 2026 plant, hat aus Sicht von Sackmann letztlich nur den Zweck, den Klimawandel zu leugnen.

Er sagt: „Man kann nicht vorher festsetzen, was später rauskommt.“ So funktioniere Wissenschaft einfach nicht. Und er weist auch auf den irreführenden Begriff hin, indem er sagt: „Wissenschaft ist per se kritisch.“ Winfried Kluth sieht zudem die Gefahr, dass bestimmte Wissenschaftler ausgeschlossen werden, weil ihre Themen nicht erwünscht sind.

Augen nicht vor Problemen verschließen

Sich dem Populismus hinzugeben, bedeutet laut Sackmann, die Augen vor Problemen zu verschließen. „Wir haben aber nicht die Zeit, uns zurückzulehnen und abzuwarten was passiert.“ Schulden, den demografischen Wandel oder auch die bröckelnde Chemieindustrie nennt er als einige Herausforderungen, vor denen das Land steht. „Dafür möchte ich produktive Lösungen.“

Die beiden Hallenser wie auch die anderen Vereinsmitglieder wollen Sachsen-Anhalt voranbringen. Denn es sei das Land, dem sie sich verbunden fühlen: „Das uns am Herzen liegt.“

Reinhold Sackmann (links) und Winfried Kluth engagieren sich im Verein „Wissenschaft für uns in Sachsen-Anhalt“.


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