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Oliver Holtemöller: Vom Abiturienten an der Itzehoer KKS zum Wirtschaftsexperten


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Datum: 11.04.2026

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Informationen zum Artikel:

Oliver Holtemöller: Vom Abiturienten an der Itzehoer KKS zum Wirtschaftsexperten

Sein Wort hat Gewicht: Oliver Holtemöller ist einer der Experten, die zweimal jährlich die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland beurteilen. Diese macht ihm weniger Sorgen als etwas anderes.

Kurzfassung des Artikels:

  • Der Wirtschaftsexperte Oliver Holtemöller absolvierte sein Abitur an der Itzehoer Kaiser-Karl-Schule.
  • Er präsentiert seit Herbst 2009 die Wirtschaftsprognosen im Rahmen der Gemeinschaftsdiagnose bei der Bundespressekonferenz.
  • Holtemöller ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Leiter der Abteilung Makroökonomik am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle.

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Zweimal im Jahr sitzen sie vor den Kameras in der Bundespressekonferenz: Im Frühjahr und im Herbst erklären die Spitzen der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognose für die wirtschaftliche Entwicklung. Einer von ihnen hat sein Abitur an der Itzehoer Kaiser-Karl-Schule gemacht: Erneut saß Oliver Holtemöller bei der Vorstellung der sogenannten Gemeinschaftsdiagnose mit auf dem Podium, wie schon seit Herbst 2009. Der 54-Jährige ist Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Makroökonomik, an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Leiter der Abteilung Makroökonomik am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Im Interview spricht er über Verbindungen in die alte Heimat und die Arbeit in dem Expertengremium.

Bei der Vorstellung des Gutachtens waren Sie an prominenter Stelle in der Tagesschau zu sehen – bekommen Sie danach viele Nachrichten aus Itzehoe?

Nein, kaum. Aber meine Familie wird manchmal darauf angesprochen.

Warum haben Sie sich für dieses Berufsfeld entschieden?

Das war kein geplanter Weg. Ich wollte nach Schule und Bundeswehr etwas mit Zahlen und Computern machen und habe zunächst angefangen, Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Die Volkswirtschaftslehre hat mich aber deutlich mehr fasziniert, sodass ich nach dem Vordiplom den Studiengang gewechselt habe. Und dann hatte ich sehr gute akademische Lehrer, die mir geholfen haben, meinen Weg zu finden. Besonders meinem Doktorvater an der Freien Universität Berlin habe ich viel zu verdanken. Heute begeistert mich die Vielseitigkeit meiner Tätigkeit – von der Erstsemester-Vorlesung über die Forschung und Doktorandenbetreuung bis hin zur Politikberatung.

Wie entsteht das Gutachten im Frühjahr und Herbst ganz praktisch?

Das Gutachten entsteht in einem mehrstufigen Prozess, an dem mehr als 50 Wissenschaftler beteiligt sind. Es gibt Vorbesprechungen zur Themenabgrenzung, Arbeitsaufgaben für einzelne Gruppen, zum Beispiel im Bereich öffentliche Finanzen oder Verbraucherpreisinflation, und abschließend eine zweiwöchige Phase, in der wir alle zusammen an den finalen Zahlen und Texten arbeiten. Jedes Kapitel wird abschließend von einem Expertenteam noch einmal Korrektur gelesen und von den Federführenden aus den beteiligten Instituten abgenommen.

Ganz knapp zusammengefasst sagt das Gutachten: Der Export ist weiter schwach, in der Binnenwirtschaft geht die Erholung dank der hohen Investitionen weiter, wird aber durch den Energiepreis-Schock infolge des Iran-Kriegs gedämpft. Sie und Ihre Kollegen warnen jedoch vor staatlichen Eingriffen, die kurzfristig die Energiepreise senken. Warum?

Öl und Gas sind durch den Krieg auf den Weltmärkten knapper geworden. Der Verbrauch muss also runter. Wenn die Staaten anfangen, den Preisanstieg durch Subventionen zu dämpfen, führt das dazu, dass die Nachfrage nicht so stark sinkt, wie sie es tun müsste, damit Angebot und Nachfrage zusammenpassen. Das wiederum erhöht die Weltmarktpreise. Die Staaten schaukeln den Prozess mit ihren verschiedenen Hilfsprogrammen weiter hoch. Am Ende verdienen die Erdölexporteure noch mehr, und in den Staatshaushalten entstehen riesige Finanzierungslücken, weil Deutschland das Öl auch mit einer inländischen Energiepreisbremse nicht billiger bekommt, sondern nur der Staat die Differenz von heimischem Preis und Weltmarktpreis übernimmt. Auch die Verteilungswirkungen einer solchen Politik sind ungünstig: je größer das Auto, desto höher die Subvention. Besser wäre es, bedürftige Haushalte durch gezielte Transfers zu unterstützen, um die höheren Lebenshaltungskosten auszugleichen.

Oliver Holtemöller, Stellvertretender Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), spricht bei einer Pressekonferenz zur neuen Konjunkturprognose führender Wirtschaftsinstitute in der Bundespressekonferenz. Foto: Christoph Soeder

Gefordert wird im Gutachten eine Wachstumspolitik, die Regulatorik mindert und Bedingungen für Investitionen und Innovationen verbessert. Das hat man schon einmal gehört – sind Sie gelegentlich genervt, wie mühsam sich die Dinge bewegen?

Nein. Am Ende müssen die Wähler entscheiden, welches Programm sie am meisten überzeugt. Wir versuchen, nicht nur die Politik, sondern auch die Öffentlichkeit so gut wie möglich über die relevanten Zusammenhänge zu informieren, damit fundierte Entscheidungen getroffen werden. Dabei argumentieren wir aus unserer wirtschaftswissenschaftlichen Perspektive. Die Entscheidungsträger müssen auch noch andere als ökonomische Kriterien mit einbeziehen. Es wäre blauäugig zu erwarten, dass unsere Vorschläge eins zu eins umgesetzt werden.

Als Wissenschaftler haben Sie einen eher nüchternen Blick auf die Entwicklung. Dennoch: Wie groß ist Ihre Sorge um den Wirtschaftsstandort Deutschland?

Meine Sorge gilt eher dem gesellschaftlichen Zusammenhalt als dem Wirtschaftsstandort. Die Stimmung im Land ist noch schlechter als die Lage. Natürlich gibt es großen Reformbedarf, aber man darf nicht vergessen, dass es den Menschen in Deutschland ökonomisch insgesamt noch nie so gut ging wie heute und dass der Wohlstand in vielen anderen Ländern und Regionen deutlich geringer ist als hierzulande. Es braucht einfach auch wieder mehr Zuversicht.

Zu Besuch in Itzehoe: Im Mai 2025 kam Oliver Holtemöller (hinten, 4. v. r.) zum Ehemaligentreffen seines Abiturjahrgangs an die Itzehoer KKS. Foto: Lars Peter Ehrich

Und zum Schluss: Welche Verbindungen haben Sie noch nach Itzehoe, verfolgen Sie, was hier passiert?

Meine Schwiegereltern leben nach wie vor in der Region, daher bin ich regelmäßig im Kreis Steinburg anzutreffen. Wir fahren auch im Sommer gern an die Nordsee. Aber nach Itzehoe komme ich nur selten, zuletzt zum Abitreffen nach 35 Jahren im vergangenen Jahr. Der Ehemaligenverein der KKS verschickt einmal im Jahr ein Mitteilungsheft, über das ich mich immer freue und über das ich zumindest das eine oder andere über meine alte Schule mitbekomme.

Mehr Informationen:

Oliver Holtemöller pendelte bis zum Abitur aus St. Margarethen zur Itzehoer KKS, studierte dann Volkswirtschaftslehre, Angewandte Mathematik und Praktische Informatik an der Justus-Liebig-Universität Gießen und absolvierte anschließend als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft das gemeinsame Graduiertenkolleg Angewandte Mikroökonomik der Humboldt-Universität zu Berlin und der Freien Universität Berlin, wo er promoviert wurde. Nach einer Juniorprofessur in Aachen kam Holtemöller im August 2009 nach Halle als Universitätsprofessor sowie Leiter der Abteilung Makroökonomik am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle, dessen stellvertretender Präsident er seit zwölf Jahren ist. Holtemöller lebt in Halle an der Saale, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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Foto: Fotowerk Professor in Halle und Wirtschaftsforscher: Oliver Holtemöller machte in Itzehoe Abitur. Foto: Christoph Soeder Oliver Holtemöller, Stellvertretender Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), spricht bei einer Pressekonferenz zur neuen Konjunkturprognose führender Wirtschaftsinstitute in der Bundespressekonferenz. Foto: Lars Peter Ehrich Zu Besuch in Itzehoe: Im Mai 2025 kam Oliver Holtemöller (hinten, 4. v. r.) zum Ehemaligentreffen seines Abiturjahrgangs an die Itzehoer KKS.


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